Hat sich Ihr Computer in letzter Zeit etwas seltsam verhalten? In diesem Fall könnte Ihr Computer einem Entführer zum Opfer gefallen sein, der ihn mit einem sogenannten Botnet-Netzwerk infizierter Computer verbindet.

Täglich werden mehr als 50.000 Computer entführt, und derzeit werden mehr als sechs Millionen Computer ohne das Wissen des Eigentümers für kriminelle Aktivitäten verwendet, sagte die EU-Sicherheitsorganisation ENISA heute.

Verräterische Zeichen

Es ist sehr schwer zu sagen, ob Ihr Computer gekapert wurde, aber langsamere Verbindungs- und Verarbeitungsgeschwindigkeiten und merkwürdiges Verhalten sind verräterische Anzeichen. "Die meisten Leute merken es gar nicht, wenn es passiert, und die Leute sind nicht sehr gut darin, sich selbst und ihre Computer zu schützen", sagte ein Sprecher der ENISA.

Die ENISA hat heute vor dem massiven Anstieg der digitalen Kriminalität gewarnt, bei dem es häufig um gekaperte Computer geht. Sein Bericht, Botnets - Die stille Bedrohung, Staaten gibt es derzeit weltweit rund 1.000 Botnets. Jeder verbindet zwischen 10.000 und 300.000 gekaperte Computer.

Massiver Umfang

"Das Ausmaß [von Botnetzen] ist enorm und nimmt ständig zu. Das Problem ist, dass die Betroffenen normalerweise erst dann feststellen, wenn etwas zu spät ist", sagte Ulf Bergström, Presse- und Kommunikationsbeauftragter der ENISA. "Wir sind nicht sehr gut darin, uns selbst zu schützen, und kümmern uns oft nicht um Software-Updates."

Ein Botnet ist eine Sammlung von Softwarerobotern ("Bots"), die autonom und automatisch ausgeführt werden, normalerweise von Computergruppen, die von Hackern gekapert wurden. Der Ersteller des Botnetzes kann die Computergruppe fernsteuern und für Online-Betrug, das Versenden von Spam-E-Mails usw. verwenden. Hacker können auch kriminelle Daten auf Ihrem Computer speichern oder Ihre Anmeldedaten und Ihr Kennwort stehlen.

Die häufigste Art und Weise, wie ein Computer infiziert wird, ist über einen Webbrowser (56 Prozent). Andere Möglichkeiten sind E-Mail-Anhänge (13 Prozent), Betriebssystem-Exploits (11 Prozent) und heruntergeladene Internetdateien (9 Prozent)..

Tracking ist schwierig

Da Botnets in der Regel Computer aus mehreren Ländern umfassen, ist die Verfolgung dieser Netzwerke sehr schwierig, so die ENISA. Sie fordert die EU-Mitgliedstaaten, Strafverfolgungsbehörden, Softwareentwickler und Internet-Service-Provider auf, stärker zu kooperieren, da die digitale Kriminalität ansonsten außerhalb ihrer Kontrolle eskaliert.

"Die EU-Mitgliedstaaten müssen diese Bedrohung ernst nehmen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass digitale Kriminalität uns übersteigt", fügte Bergström hinzu.